Ein Sonntagmorgen

Es ist kurz nach fünf Uhr morgens, genau genommen ist es schon viertel vor sechs, aber als ich mir vornahm aufzustehen (weil ich mich jetzt schon wieder seit mindestens anderthalb Stunden im Bett wälze) und endlich mal wieder was in den Blog zu schreiben, war es kurz nach fünf. Ich habe in der Zwischenzeit noch den labbrigen, schon minimal säuerlichen Dinkelbrei den ich nach der Arbeit am Freitag vergessen hatte zu essen gegessen, mir Tee gemacht, mir das Gesicht eingecremt, bin auf Toilette gegangen, habe mir was übergezogen und eine halbe Paracetamol genommen.

T. und ich hatten seit langem wieder einen Streit. Der Kuckuck und der Esel, die hatten einen Streit. (Ein altes Kinderlied, vielleicht kennt es noch jemand) Und wären wir noch im Jahr 2015, dann wären wir wohl mal wieder so kurz davor uns zu trennen. T. hat mir sogar einen Brief geschrieben, indem er mir ein Ultimatum stellt (lächerlich!).

Ich meine jetzt nicht lächerlich im herkömmlichen Sinne, sondern lächerlich – ich will es erklären.

T. hat mir deshalb einen Brief geschrieben, weil ich ihn darum gebeten habe, das was er mir sagen will aufzuschreiben, weil ich mich seinen – was auch immer- , Vorwürfen, Ausschweifungen, Anfeindungen, boshaften Erklärungen nicht ungeschützt aussetzen wollte. Ich hatte eine Entschuldigung mit vielen Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen erwartet oder befürchtet (es kam schlimmer) und weil mich schon seit Tagen Kopfschmerzen plagten und ich es gerade geschafft hatte, diese ein wenig einzudämmen, wollte ich nichts riskieren. Also keine erneute Diskussion, keinen Streit der unweigerlich in einer Schlammschlacht enden würde, zumindest war das aufgrund der vorangegangenen Diskussionen und Reaktionen zu befürchten. Wobei ich mich, im Gegensatz zu T., wirklich nie zu absichtlichen Gemeinheiten hinreißen lasse, aber das was ich dann sage scheint für T. regelmäßig noch viel schlimmer zu sein, ohne das es meine Absicht ist.

Aber worum es mir eigentlich geht, ist die Tatsache, der Umstand, dass ich fühle, dass ich und wir, als Paar, weiter sind, gewachsen sind. Ich will jetzt nichts beschreien, Gott bewahre, aber ich habe es endlich geschafft, die Perspektive zu wahren, mich nicht täuschen zu lassen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Wahrscheinlich auch nur, weil ich vor lauter Kopfschmerzen, Schwindel und Müdigkeit gar nicht auf einen richtigen Streit einlassen konnte. Dabei waren ebendiese Symptome der Auslöser für das Ganze. Ich bin auf der Arbeit noch in der Probezeit, wir sind echt darauf angewiesen, dass das diesmal klappt und die Arbeit ist auch echt ok, macht mir eigentlich Spaß. Aber ich komme im Moment echt (sorry, Wortwiederholung) nicht mit dem Schlafen klar und jeden Sonntagabend habe ich einen Horror davor, wieder nicht schlafen zu können. Ich habe mich bislang mit Ach und Krach so durchgeschlagen, es schien besser zu werden, bis ich letzten Montag extrem müde, hungrig und mit Kopfschmerzen (ich muss dazu sagen, dass die Kopfschmerzen und Verspannungen ein Thema sind, das mich schon seit Jahren begleitet) nach Hause kam, mit der Hoffnung, dass T. etwas gekocht haben würde, wie er es oft schon getan hatte. Stattdessen lag er schlafend im Bett. Sein Frustschlaf, weil er einen Auftragstext hatte schreiben müssen. Ich habe zu alldem nichts gesagt, wir haben den Abend einigermaßen hingekriegt, ich hätte ihm gerne Vorwürfe gemacht, aber ich weiß dass ich kein Recht dazu gehabt hätte. Stattdessen habe ich mich mit Kirschkernsäckchen ins Bett gelegt, nur um um fünf Uhr morgens mit Kopfschmerzen aufzuwachen, nicht mehr einschlafen zu können und nach kurzem Schlummer mit noch schlimmeren Kopfschmerzen und Schwindel aufzuwachen. Ich konnte so beim besten Willen nicht zur Arbeit gehen (ich muss zwischen halb sieben und zehn vor sieben aufstehen und spätestens um acht Uhr da sein), und ich hatte mich vorher schon oft nach einer schlaflosen Nacht dorthin geschleppt. Aber T. war deshalb sauer. Ich war sauer und hatte einen Brummschädel. Ich habe mich dann Mittags, als ich merkte, dass einfach mal Ausschlafen keine wirkliche Besserung brachte, für drei Tage krank gemeldet (nachdem ich morgens schon kurz für den Tag Bescheid gegeben hatte). T. fand es nicht nachvollziehbar und so schlossen sich drei Tage Stress an.

Ok, ich sehe, das erklärt bis jetzt immer noch nicht, was jetzt daran so gut war. Naja, wirklich gut ist auch was anderes und ich hätte mir gewünscht, es wäre alles ganz anders gelaufen, aber mein Beitrag ist lang genug für heute, ich bin müde und ich glaube, ich lege mich noch mal hin und berichte das nächste Mal weiter. Vielen Dank für Ihr Verständnis! Keep tuned in!

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deep limbic system

Es ist in der Tat so, dass ich in der letzten Zeit eine leichte Verschiebung meiner Wahrnehmung verzeichnen kann, die mir in seltenen Lichtblicken erlaubt, meine Gefühle sozusagen verzögert wahrzunehmen. Oder nicht verzögert, sondern von außen drauf schauend. Ganz genau genommen, sind es die negativen Gefühle, denen ich ein wenig mehr auf die Schliche zu kommen scheine.

Ein Abschied.

Ich möchte mich heute von M, von Herrn H, von Herrn K und von Herrn S verabschieden.

Tatsächlich war es im vergangenen Jahr so, dass der Gedanke, dass ihr und Sie meinen Blog mitlest, mich regelrecht blockiert hat. Immer wieder hatte ich das Bedürfnis, mal wieder etwas zu schreiben; aber ich wollte nicht, dass es so wirkt, als schriebe ich es auch nur Ansatzweise für euch (ich verzichte der Einfachheit halber hier auf eine Unterscheidung in Du und Sie).

Irgendetwas hatte sich geändert. Hatte ich euch zunächst alle bewusst eingeladen, meinem Blog und damit meinen Gedanken zu folgen, so möchte ich euch heute bitten, meinem Blog nicht mehr zu abonnieren. Heißt, die Benachrichtigungen über neue Einträge abzubestellen.

Ehrlich gesagt, hatte ich bei jedem Einzelnen von euch (mit Ausnahme von Herrn K), die Hoffnung, durch meine Einladung an euch, eine Nähe schaffen zu können, die man im Alltag vielleicht erst nach zwei gemeinsamen Wochen im Zelt in den Rocky Mountains erreicht (ja, klar, ich weiß, im „Alltag“). Ich hatte meinen Blog einen „Überlebensblog“ genannt, weil ich … es ist kompliziert, es ist schwer zu beschreiben und darum geht es jetzt auch nicht.

M, Du warst in Zeiten, als ich noch unendlich verpeilt und haltlos durch die Nächte gedriftet bin, ein Halt und eine Hoffnung für mich. Du warst einer der wenigen Menschen in meinem Leben, die mir ein begeistertes Feedback gegeben haben. Du warst immer mein imaginärer Joker, den ich in der Hinterhand zu haben gehofft hatte. Leider warst Du es am Ende dann doch nicht und hast Dich selbst aus meinem Leben verabschiedet.

Herr H, Dich habe ich wirklich versucht, in mein Leben einzuladen. Du hast mir zwar manchmal einen Tropfen Deiner Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt; aber wenn ich auf jede mail oder Nachricht von mir eine völlig erratische Zeit warten muss, ob überhaupt eine Antwort kommt und dann auch nur der Verweis auf die Quantität Deiner Erwerbsarbeit und die Verpflichtungen der Familie folgen, dann muss ich mich dieser Realität wohl geschlagen geben.

Herr K, ich muss zugeben, in diesem Fall war ich die Feige, oder vielleicht die Spießige und ich hoffe, dass Sie wenigstens wissen, wovon ich rede. Und vielleicht hatten Sie ja einfach nur einen ähnlichen Wunsch, wie ich. Aber ich glaube, ihr Ansatz war letzten Endes doch ein ganz anderer als meiner.

Herr S, ich hatte tatsächlich die irrationale Hoffnung, Sie könnten sich bei mir melden und wir könnten eine Freundschaft beginnen.

Aber mein Leben geht weiter, auch ohne euch. Ich wünsche euch allen Alles Gute, vielleicht ist es auch einfach eine Utopie, zu glauben, man könnte im Leben Zeit finden für mehr als das was gerade ansteht. See you in another life bro.